Zukunft ist machbar

Auf Einladung des Präsidenten der Stiftung „Race for Water“, Marco Simeoni, hatte ich die Möglichkeit, mich über das doppelte Engagement dieser Stiftung zum Schutz unserer Meere vor der zunehmenden Plastikvermüllung und zum beispielhaften Nachweis der Anwendungsmöglichkeiten erneuerbarer Energietechniken (PV/Sonne, Kite/Wind, Wasserstoff/Speicher) im Schiffsantrieb der Zukunft zu informieren. Anlass war der Start der auf mindestens 5 Jahre angelegten Demonstrations- und Forschungsreise des weiterentwickelten Forschungsschiffes „Race for Water“, der um Kite-Antrieb und Wasserstoffspeichersystem ergänzten ehemaligen „Planet Solar“.

Zu sehen und zu erleben gab es ein wirklich beeindruckendes Beispiel erfolgreichen Zusammenspiels europäischer Ingenieure (schweizerische, französische und deutsche Unternehmen arbeiteten unter der Leitung der in Lausanne beheimateten Race for Water-Stiftung bei der Konzeption und technischen Ausrüstung des Schiffes Hand in Hand). Herausgekommen ist ein 35 m langes futuristisch aussehendes Schiff, das mit 6 Mann/Frau Besatzung weiteren 14 Mitfahrenden Raum für Meeresforschungsaktivitäten bietet, die Race for Water.

Gerade angesichts der erschreckenden Erkenntnisse über den Anteil der Schifffahrt an der massiven Belastung unserer Umwelt mit Klimagasen, aber auch mit Feinstäuben und Stickoxiden ist es ein sehr ermutigendes Beispiel, in welchem Maße schon heute über klassische Segelschiffe hinaus emissionsfreie Schiffsantriebe technisch machbar sind. Dieses und die Chancen und Kinderkrankheiten, die hinter den verwendeten Technologien und ihrem Zusammenspiel liegen, soll in den kommenden Jahren unter realen Einsatzbedingungen auf der Fahrt um die Welt (u.a. mit Stationen auf den Bermudas zum America’s Cup, in Japan zur Olympiade 2020 und in Dubai zur Weltausstellung 2021) erprobt und weiterentwickelt werden. Dabei wird auch absehbar werden, inwieweit ein Hochskalieren für den weitergehenden Einsatz in der Berufsschifffahrt machbar sein wird.

Die aktuell eingesetzten Technologien, Elektromotoren, die mit Strom aus der das gesamte Deck bedeckenden PV-Anlage betrieben werden, ein Kite-Segel der Hamburger Firma SkySails als zusätzlicher Antrieb und eine weiterentwickelte Wasserstoff-Brennstoffzellen-Installation als Energiespeicher für Phasen von Dunkelheit und Flaute, erlauben eine weitestgehend wetterunabhängige Fahrt des Schiffes. In den Phasen, in denen es vom Kite angetrieben wird, sollen darüber hinaus die Propeller rückwärts drehen und somit als Generatoren ebenfalls Strom für die Wasserstoffspeicher bereitstellen. Dies erläuterte mir der Geschäftsführer von SkySails, Stephan Wrage. Weitere technische Erläuterungen bekam ich von Alexandre Closset, Präsident von Swiss Hydrogene, dessen Unternehmen für die Wasserstofftechnik verantwortlich zeichnet. Der Einbau dieser Technologie zur Energiespeicherung erlaubt gegenüber klassischer Batteriespeicherung eine deutlich höhere Speicherleistung bei gleichzeitig deutlich geringerem Anlagengewicht, was für den Einsatz im Schiffsbau große Vorteile verspricht.

Der zweite Schwerpunkt der Arbeit der Race for Water-Foundation, von dem ich mich in Lorient überzeugen konnte, liegt in der weltweiten Sensibilisierung für die Probleme der zunehmenden Belastung unserer Meere mit Plastikmüll und der konkreten Arbeit dagegen. Dies geschieht insbesondere durch zwei Maßnahmen, die mir Stiftungspräsident Marco Simeoni im Beisein der bretonischen Parlamentswahlkandidatin Teaki Dupont und des Race for Water-Botschafters und Einhand-Weltumseglers Alan Roura erläuterte.

Zunächst dient das Schiff während seiner Weltumfahrung in den nächsten 5 Jahren immer wieder internationalen Forscherteams als schwimmende Forschungsbasis. Durch die beinahe vibrationslose Antriebstechnik kann in einem extra zur Verfügung stehenden Laborraum auch mit sehr sensiblen Geräten gearbeitet werden. Da der Katamaran zudem einen sehr geringen Tiefgang hat, erlaubt er auch Untersuchungen in Flachwassergebieten. Genutzt werden wird dies zunächst in der Karibik und bei den Bermudas durch zwei EU-ko-finanzierte Mikroplastikforschungsvorhaben im Rahmen des Programms „JPI Oceans“ (The Joint Programming Initiative Healthy and Productive Seas and Oceans).

Eines – genannt EPHEMARE von Forschern aus 9 EU-Ländern um den Spanier Prof. Ricardo Beiras (Vigo, Spanien) – befasst sich mit „Eco toxical effects of microplastics in marine ecosystems“, das andere, „Weather Mic“ eines norwegisch-deutschen Forscherteams um Dr. Hans-Peter Arp (NGI, Norwegen) und Dr. Annika Jahnke (UFZ, Leipzig) wird  „How microplastic weathering changes ist transport, fate and toxicity in the marine environment“ untersuchen. Prof. Beiras und Dr. Arp stellten ihre Projekte im Rahmen einer Pressekonferenz mit der Race for Water-Stiftung und dem Bürgermeister von Lorient, Norbert  Metairie, kurz vor, und ich hatte bei einem gemeinsamen Mittagessen noch die Möglichkeit, mich mit ihnen über die politischen Aktivitäten im Bundestag zum Mikroplastik-Problem und die Idee einer internationalen Plastik-Konvention, wie sie zur Zeit u.a. von adelphi (Berlin) und der Heinrich-Böll-Stiftung diskutiert wird, auszutauschen.

Zweitens soll das Schiff bei seinen Aufenthalten in den Häfen und bei großen internationalen Events (America’s Cup, Olympia, EXPO) als Veranstaltungsraum für Informationsvorträge und Schulungen zum landbasierten Kampf gegen die Vermüllung der Meere dienen. Dazu arbeitet die Race for Water-Stiftung u.a. mit dem französischen Anlagenbauer ETIA zusammen, der ein Verfahren entwickelt hat, aus eingesammeltem Plastikmüll Gas als Treibstoff oder auch Wasserstoff herzustellen. Olivier Lepez, Generaldirektor von ETIA, erläuterte mir die Technologie anhand einer im Schiff platzierten Infowand.

Gemeinsam mit Race for Water wurde daraus die Idee entwickelt, dezentral Arbeitsplätze für Menschen, die den „Rohstoff Plastikmüll“ einsammeln, zu schaffen und dann daraus eine Energieversorgung für von Stromnetzen abgehängte Regionen aufzubauen.

Im Anschluss an die Pressekonferenz legte die Race for Water dann unter großer Anteilnahme von Medien, wissenschaftlichen Partnern der Race for Water-Stiftung und vielen schifffahrtsbegeisterten Franzosen aus dem ehemaligen U-Boot-Hafen Lorient ab und machte sich auf die Reise für diese guten Zwecke.

Ich bin sehr gespannt, welche weiteren Erkenntnisse sich aus dem konkreten Einsatz der innovativen Technologien wie auch den Meeres-Forschungsvorhaben für die Zukunft ergeben. Kooperationen und Synergien mit weiteren Mikroplastik-Forschungsvorhaben in Deutschland wie auch im Rahmen der dringend notwendigen Ausweitung der Energiewende auf den Transportsektor ergeben sich bestimmt. Wenn das Projekt darüber hinaus einer innovativen, umweltfreundlichen Technologieentwicklung aus Deutschland (Kite-Antrieb) hilft, bekannter zu werden und sich im Markt zu platzieren, so ist das auf jeden Fall ein erfreulicher Nebeneffekt.

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