Mexico – zerrissenes Schwellenland

Von Kolumbien flog unsere Delegation direkt nach Mexico weiter. Schon im Anflug war beeindruckend, wie riesig die Megacity Ciudad de Mexico ist – mit Vororten leben hier wohl an die 20 Millionen Menschen, genau weiß das niemand.

Tierra y Liberdad

Tierra y Liberdad

Der Ort war schon vor der Aztekenzeit ein wichtiges kulturelles Zentrum, wovon beeindruckende Tempelanlagen und -ruinen in unmittelbarer Nähe der riesigen Kathedrale zeugen. Ebenfalls angrenzend an den Zocalo, den Hauptplatz der Stadt, steht der große Nationalpalast, in dessen Innenhof Diego Rivera 1929 bis 1951 auf brillant gemalten, ironischen Murales die Geschichte des Landes sehr lebendig werden ließ.

Das Land selbst – so stellte sich bei unseren vielen Gesprächen mit Basisgruppen, Menschrechtsorganisationen, deutschen Organisationen, der mexikanischen Entwicklungsagentur Amexcid und Mitgliedern des Bundesparlaments heraus – ist ein Schwellenland mit vielen Möglichkeiten, aber auch extrem unterschiedlichen Problemen in den einzelnen Landesteilen und Bundesstaaten.

Ähnlich wie in Kolumbien hat auch in Mexico die Zentralregierung nicht über alle Landesteile eine wirklich effektive Kontrolle, so dass kriminelle Kartelle vielerorts ihr Eigenleben führen und die Bevölkerung entrechten. Einer in ganz vielen Bereichen vorbildlichen Gesetzeslage in Mexico steht eine Realität weitgehender Straflosigkeit insbesondere bei Kapitalverbrechen, aber auch bei Umweltvergehen etc. gegenüber. So ist die Ermordung des finnischen Menschrechtsverteidigers Jyri Jaakola und seiner mexikanischen Kollegin Beatriz Carino Trujillo vor vier Jahren im Bundesstaat Oaxaca trotz diverser Interventionen der Angehörigen, der finnischen Regierung wie der EU immer noch nicht aufgeklärt oder gesühnt, obwohl die Angehörigen durch eigene Recherchen die Schuldigen schon vor geraumer Zeit ausfindig gemacht haben.
Energiepolitisch war dieser Reiseteil für mich ebenfalls sehr interessant. Reich an Bodenschätzen und natürlichen Potentialen basiert ein großer Teil der mexicanischen Wirtschaft auf der Erdöl- und Erdgaswirtschaft und dem Staatsunternehmen Pemex. Lange Zeit flossen die Einnahmen im großen Stil. Doch jetzt steht dieser Wirtschaftszweig mitten im Strukturwandel. Einerseits soll dem Innovationsstau bei Pemex – unter großem Widerstand in der Gesellschaft – durch Verkauf von Anteilen an internationale Konzerne begegnet werden. Doch dieser Weg soll vor allem in den Einstieg in die schon in den USA verheerende Frackingtechnologie führen. Andererseits gibt es große Potentiale für Wind- und Solarenergienutzung, die noch lange nicht ausgeschöpft werden. Und da wo – wie am Isthmus von Tehuantepec – große Windkraftprojekte realisiert werden, gibt es große Konflikte mit der ansässigen Bevölkerung, weil diese von der gewonnenen Energie nicht profitieren und zugleich in ihren Landrechten massiv übergangen werden.

Bekannte Energieverbrauchstabellen in Mexiko

Bekannte Energieverbrauchstabellen in Mexiko

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit könnte hier sicherlich über die bestehenden Energieeffizienz- und Naturschutzprojekte hinaus noch andere Akzente setzen.

Impressionen von der Reise nach Kolumbien und Mexiko

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Ein Kommentar zu “Mexico – zerrissenes Schwellenland
  1. werner sagt:

    …ein guter Kapellmeister in Bremerhaven kam aus Mexiko.

    Seine ganze Familie und er wurden entführt, alle Frauen und Kinder freigelassen.

    Von allen Männern und Ihm fehlt jede Spur seit Jahren.

    ….

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