Potenzial der Jugend im Blick haben

Wie gelingt es, Jugendlichen in Uganda eine Zukunftsperspektive zu geben? Die Evangelische Akademie und das Ökumenische Zentrum in Oldenburg  hatten mich eingeladen, diese Frage zu diskutieren. Eines kristallisierte sich sehr deutlich heraus: Die Frage, ob Ugandas Jugend – oder im weiteren auch die junge Generation Afrikas insgesamt – eine Perspektive findet, ist entscheidend für die Zukunft dieses Landes und seines Kontinents.
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Mit mir auf der PFL-Bühne waren der Botschafter Ugandas in Berlin, Marcel R. Tibaleka, Lena Nzume von der Koordinierungsstelle Integration und Teilhabe der Stadt Oldenburg, Lezon Mark Mugwanya von der Sosolya Undugu Dance Academy http://weltladen-oldenburg.de/?p=1535, Ralf Classen von der Hamburger Initiative Kinderkulturkarawane http://www.kinderkulturkarawane.de sowie die Lüneburger Studentin Lena Heuer, die in Uganda über die Organisation Eirene International http://eirene.org einen weltwärts-Freiwilligendienst absolviert hat. Die Sosolya Undugu Dance Academy, ein Projekt, das jungen Menschen aus prekären Verhältnissen eine neue Lebensperspektive geben möchte, ist zurzeit zu Gast in Oldenburg, um mit Musik, Tanz, Kultur für Verständnis und Toleranz unter den Völkern zu werben.

Von den 34 Millionen Menschen in Uganda seien 75 Prozent Jugendliche, betonte der Botschafter. Ihnen müsse der Staat helfen. Zwar habe Uganda sich in den vergangenen Jahren um eine gute Bildung für den Nachwuchs bemüht, dabei aber seien die traditionellen Handwerksberufe aus dem Blick geraten. Die jungen Menschen streben nach gut bezahlten Bürojobs. Doch die seien eben rar. 85 Prozent der Bevölkerung lebten auf dem Land, gleichzeitig wanderten viele junge Leute in die Städte ab in der Hoffnung auf eine gute Ausbildung.

Meine Erfahrungen sind die, dass ein funktionierender Markt, auf dem die Menschen ihre eigenen Produkte verkaufen können, in vielen afrikanischen Ländern nicht mehr existiert. Durch die niedrigen Preise für die Produkte, die im Land hergestellt werden, gibt es eine sehr schwache Kaufkraft, insbesondere im ländlichen Raum. Billigware aus dem Ausland (Plastikprodukte aus China ebenso wie Hühnerreste der deutschen Geflügelindustrie) zerstört dort das regionale Angebot. Das beides führt dazu, dass es zwar durchaus einen Bedarf an guten, einfachen Handwerkerarbeiten gibt, die meisten Menschen sich diese aber nicht leisten können. Deswegen bieten handwerkliche Ausbildungen vielen jungen Menschen leider nicht die Perspektiven, die sie für die Zukunft brauchen.

Die Bilder von Kindersoldaten, die im Bürgerkrieg in Uganda kämpften, gingen vor einigen Jahren um die Welt. Seit 2006 herrscht Frieden in Uganda. Doch noch immer sind viele junge Menschen von diesen Erlebnissen traumatisiert, andere haben in diesem Krieg ihre Eltern verloren. Mit Kindern in Kulturprojekten zu arbeiten und ihnen dadurch erstmals wieder Selbstvertrauen zu geben, ist ein wichtiger Schritt, bei dem UNDUGU wertvolle Unterstützung leisten kann. Leider fehlt es dazu in Uganda noch an der Unterstützung durch den Staat. Im Gegenteil, wenn die jungen Musiker_innen und Tänzer_innen mal ein paar Einnahmen durch ihre Auftritte bekommen, hält der Staat direkt seine Hand auf und kassiert erstmal 30 % Steuern.

Wichtige Impulse für die Entwicklung neuer Perspektiven in einer globalisierten Welt können auch vom internationalen Freiwilligenaustausch ausgehen, wie er z.B. über das weltwärts-Programm grundsätzlich möglich ist. Leider ist das derzeit noch viel zu sehr eine Einbahnstraße, denn Jugendliche z.B. aus Uganda haben größte Schwierigkeiten, ein Visum für Europa zu bekommen, auch wenn sie hier eine aufnehmende Organisation oder Gruppe und eine entsprechende Stelle haben. Dabei wären Kontakte und der Austausch von Erfahrungen immens wichtig für beide Seiten. Aber es darf nicht sein, dass solche Austauschprogramme nur einseitig sind. Für einen Abbau der rigorosen Schengen-Visapraxis durch die Botschaften setze ich mich schon länger auch in meiner Arbeit in Berlin ein. Da gibt es noch viel zu tun – und ein liberalerer Umgang mit den Visa würde nicht nur den jungen Menschen in den Freiwilligendiensten nutzen, sondern auch Chancen erweitern, etwa ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb in Europa zu machen, auch und gerade im Bereich der erneuerbaren Energien.

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