No Point – gegen neue AKWs in Europa

© picture alliance / ZUMAPRESS.com

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Es ist schlichtweg nicht zu fassen, aber wahr: Der französische Stromversorger EdF, der zu 85 Prozent dem Staat gehört, hat beschlossen, den umstrittenen und riskanten Atomkraftwerksblock C in Hinkley Point im Südwesten Großbritanniens zu bauen. Die Baukosten werden auf über 20 Milliarden Euro geschätzt und verteilen sich zu je einem Drittel auf französische, englische und chinesische Atomfirmen. Das britische Energieministerium rechnet die Kosten für den Betrieb und den Rückbau hinzu und landet bei schlappen 44 Milliarden Euro. Atomstrom zu jedem Preis! Dabei ist Hinkley Point C ein weiteres Beispiel dafür, dass sich Atomstrom nicht rechnet, denn der nun beschlossene Druckwasserreaktor am Bristolkanal an der Grenze zwischen England und Wales kommt ohne eine staatliche Garantievergütung nicht über die Runden. Und die gibt es reichlich: Die britische Regierung verpulvert zu Lasten der britischen Steuerzahler*innen für 35 Jahre 112 Euro je Megawattstunde Atomstrom. Das ist mal so eben fast das Doppelte des aktuellen Marktpreises. Und noch besser für EdF ist es, dass dieser Garantiepreis an die Inflation gekoppelt ist, er steigt also automatisch Jahr für Jahr.

Und was macht die britische Regierung? Erst einmal nichts, sprich sie unterschreiben die Verträge nicht. Ob es am umfangreichen Vertragswerk liegt oder am chinesischen Investor ist nicht klar. Energieminister Greg Clarke sprach zumindest davon, dass Atomkraft einen Teil des Energiebedarfs auf der Insel decken soll. Das mutet chaotisch an.

Die konservativen Briten sind in Sachen Atomkraft echte Hinterwäldler, denn Kernkraft läuft bei denen unter Klimaschutz von wegen Nullemission in Sachen CO2 – ist klar (das ist auch deswegen völliger Blödsinn, weil der Uranabbau und die Herstellung der benötigten Brennstäbe sehr viel Energie benötigen, die natürlich nicht CO2-frei zu haben ist. Da ohne Brennstäbe kein AKW funktioniert, müssen diese Emissionen mit eingerechnet werden). Außerdem dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass neben der zivilen Atomstrategie auch eine militärische besteht, denn Großbritannien hat vor kurzem beschlossen, neue atomar betrieben U-Boote zu kaufen.

Ich bin ja schon über den Brexit enttäuscht, aber die Entscheidung, nach Fukushima ein neues Kernkraftwerk zu bauen, dessen Kosten und Risiken die britischen Steuerzahler*innen übernehmen, macht mich wütend.

 

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