Deutsche schauten beim Völkermord zu

Der Völkermord an den Armeniern muss klar und deutlich als ein solcher benannt werden. Dies sieht der Geschäftsführer vin Ibis e.V., Uwe Erbel, genauso wie ich.

Im April habe ich den Bundestag in Armeniens Hauptstadt Eriwan anlässlich des Gedenkens an den Völkermord an den Armeniern vertreten. Darüber berichtete ich nun auf Einladung von IBIS e.V., der interkulturellen Arbeitsstelle in Oldenburg. Der Völkermord an den Armeniern muss klar und deutlich als ein solcher benannt werden. Dies sieht der Geschäftsführer von Ibis e.V., Uwe Erbel, genauso wie ich.

Deutschland hat nach wie vor den Völkermord an den Armeniern, Assyrern, Aramäern, Chaldäern und Pontus-Griechen nicht als solchen anerkannt. Immerhin ist durch die Debatten in diesem Frühjahr in so weit Bewegung gekommen, dass wir Parlamentarier aller Fraktionen in der Plenumsdebatte des 24. Aprils und am Vorabend des Genozid-Gedenktages auch Bundespräsident Gauck den Genozid endlich beim Namen genannt haben. Nun fehlt aber immer noch der formelle Beschluss des Bundestages und vor allem eine entsprechende Positionierung der Bundesregierung.

Während der französische und der russische Staatspräsident an den Gedenkfeiern in Jerewan persönlich teilgenommen haben, war die Bundesregierung gar nicht dort vertreten, sondern eben nur wir als kleine Parlamentarierdelegation. 100 Jahre nach dem Völkermord ist nach meinem Geschichtsverständnis aber endlich ein offizielles Bekenntnis – auch zur deutschen Mitverantwortung – mehr als fällig. Rücksichtnahme auf die Sensibilitäten der türkischen Regierung ist da völlig fehl am Platz. Gerade aus den Erfahrungen unserer eigenen Vergangenheit sollte Deutschland vielmehr die Türkei ermutigen, sich zum Völkermord zu bekennen und damit den Weg zur Versöhnung und Wiederherstellung der Würde des armenischen Volkes zu ebnen.

Die Zeit heilt die Wunden eben nicht, wie ich in Eriwan eindrücklich erleben durfte. Und Völkermord ist keine Tragödie, sondern ein Verbrechen. Wenn Völkermord geleugnet wird, ist das seine letzte Stufe für die in diesem Fall weit mehr als eine Million Opfer.

Völkermord-Mahnmal in Jerewan

Völkermord-Mahnmal in Jerewan

Im übrigen – auch Deutschland hat hier noch eine offene Baustelle: der Völkermord an den Herero und Nama in Namibia 1904-08 ist auch noch nicht formell von der deutschen Regierung als solcher anerkannt. Hierzu haben wir GRÜNEN und auch die Linken aktuell gerade Anträge ins parlamentarische Verfahren eingebracht. Hoffen wir mal, dass sich Deutschland hier anders verhalten wird als die Türkei aktuell noch.

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